Am Abend des 23. März 2017 fand in der Mensa in Form eines Podiumsgeprächs ein reger Austausch zwischen Lernenden und etwa 50 neugierigen Eltern und Pädagogen statt.
4 ehemalige Montessori-Schüler, 4 Schüler der Sekundarstufe unserer Schule, eine Mutter, die das Montessori-Leben als Kind und Teenie an einigen der ersten reformpädagogischen Schulen Deutschlands kennen gelernt hat, sowie Gritje (Leiterin des Montessori-Labors Berlin) saßen auf dem Podium, was zum Glück kein richtiges Podium war. Denn so konnten sich alle Anwesenden auf Augenhöhe begegnen, wie es an unserer Montessori-Schule ja üblich ist.

Klaus-Peter führte durch den Abend und sorgte für eine heitere und ungehemmte Atmosphäre, so dass es allen Beteiligten leicht fiel, miteinander ins Gespräch zu kommen – mal ernst, mal humorvoll.

Es war sehr spannend zu erfahren, dass unsere ehemaligen Montessori-Schüler, Schülern aus Regelschulen, denen sie an ihren weiterführenden Bildungseinrichtungen wie Gymnasien, OSZs oder Sekundarschulen begegnet sind, in keinster Weise unterlegen sind, sondern genau das Gegenteil der Fall ist.
Wissenslücken, die übrigens auch Schüler von anderen Schulen aufweisen, werden selbstständig und aus eigener Kraft und Disziplin heraus von den Montessori-Schülern geschlossen. Die an der Monte-Schule erlernte Selbständigkeit sowie die Fähigkeit der Wissensbeschaffung und Informationsverwertung scheint an dieser Stelle sehr reife Früchte zu tragen.

So betonte Rasmus, dass er an der Monte-Schule vor allem gelernt hätte, sich selbst zu motivieren.

Joshua, der nach seinem MSA jetzt das Gymnasium besucht, wünschte sich allerdings, dass er an der Monte-Schule besser auf schriftliche Tests und Klausuren vorbereitet worden wäre. Mündliche Wissensdarbietungen seien hingegen kein Problem für ihn.

Für mich persönlich war es jedoch wesentlich relevanter zu erfahren, wie Teenies überhaupt zum Thema Schule stehen.
Leider waren nur 2 junge Männer in dieser Altersklasse auf dem „Podium“ anwesend, der Rest waren weibliche Teenies. Denn ich glaube einen Unterschied zwischen den Geschlechtern herausgehört zu haben. Allerdings waren es wirklich zu wenig Jungs, um hier ein repräsentatives Ergebnis abzuliefern.

Im allgemeinen scheint es jedoch für Jungs in dieser Lebensphase besonders wichtig zu sein, durch Abenteuer und Erfahrungen außerhalb von Klassen- und Lernräumen zu lernen.
Joshua stellte für sich fest, dass er jetzt wieder bereit sei, „richtig“ zu lernen.
Rasmus, der nun am OSZ eine Ausbildung im Informatik-Bereich macht und guter Dinge ist, dabei auch sein Abitur zu schaffen, fällt es nach wie vor recht schwer aus Lehrbüchern und an Schreibtischen zu lernen. Dennoch hat er keinerlei Probleme mit den Anderen seines Jahrgangs mitzuhalten.

Die Haltungen der Mädels zum Thema Schule fielen sehr unterschiedlich aus.
Stella, die nach der 6. Klasse auf das Gymnasium gewechselt ist, und Klara, die jetzt eine Sekundarschule besucht, berichteten, dass ihnen diese Art des „geregelten Lernens“ gut tut. Stella bemerkte jedoch, dass sie oft ganz andere zielführende Wege beim Lösen von Aufgaben findet, als ihre jetzigen Mitschüler.

Antonia nahm den umgekehrten Weg. Sie war eine sehr gute Schülerin in einer Leistungs- und Begabtenklasse am Gymnasium, wechselte dann aber aus eigenem Willen an die Montessori-Schule, wo sie sich wesentlich wohler und deutlich weniger gestresst fühlt. Sie hat nun wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben: Hobbys und Freunde!
Auch Jolan, die nichts anderes als Montessori kennt, Undine und Henrike fühlen sich „trotz des anfänglichen Chaos“ in der Sekundarstufe in dieser Schulform wohl.
Undine ist sich sicher, dass jeder seine Ziele erreichen kann, wenn er nur will, und dass es ja gerade das Schöne an dieser Schule sei, dass man sich auch gezielt auf eine weiterführende Schule, wie Gymnasium oder OSZ vorbereiten kann – sofern man das möchte!

Ein Punkt sei noch erwähnt, indem sich alle ehemaligen Monte-Schüler einig waren:

Hausaufgaben sind lästig!

Fazit des Abends:

Jeder muss seinen ganz eigenen Platz in unserem Bildungssystem finden.
Aber egal, an welcher Stelle die Montessori-Schüler beginnen, andere Richtungen zu gehen: sie wissen, wie man Herausforderungen begegnet und meistert!
Das bestätigte auch Annika. Sie ist Mutter zweier Montessori-Kinder und durfte in ihrer Kinder- und Jugendzeit eine Montessori- sowie eine weitere reformpädagogische Schule besuchen. Damals waren diese modernen Schulformen noch ganz neu und wesentlich „exotischer“ als heute, und die allgemeinen Zweifel daran, ob diese Art des Lernens gelingt, waren noch viel größer. Annika und ihre Eltern haben sich davon jedoch nicht beirren lassen. Sie hat ihr Abitur gemacht und ein Hochschulstudium absolviert.

Sicher mussten an diesem Abend einige Fragen von Eltern und Pädagogen offen bleiben, weil die Zeit von 2 Stunden wie im Fluge verging.
Aber vielleicht können Ereignisse dieser Art in Zukunft häufiger stattfinden?!

Übrigens, gibt es unter diesem Beitrag – wie auch unter allen anderen Beiträgen – ein Kommentarfeld!
Wer gerne etwas zum Podiums-Gespräch loswerden möchte, wie eigene Eindrücke und Wahrnehmungen, Fragen etc., kann das dort gerne tun.

Vielen Dank für’s Lesen!

Jenny Shead

PS: Nach dem beflügelnden Abend in der Mensa, fiel mir spontan der folgende Werbespot von Jako-o ein (und ich schwöre, dass ich keinen einzigen Cent von Jako-o für diese Einblendung bekomme 😉 ):

 

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