In der Woche vor den Osterferien fand das 2. Podiumsgespräch mit ehemaligen Lernenden unserer Schule statt.
Erfreulicherweise waren beinahe alle der ca. 90 Publikumsplätze besetzt!

Eingeladen waren alle Schulabgänger der Sekundarstufe I des letzten Schuljahrs.
Leider konnten nur 8 dabei sein.

Wie bereits im letzten Jahr, führte der Dramaturg und Regisseur Klaus-Peter Fischer einfühlsam, interessiert und humorvoll durch die Veranstaltung, indem er die 8 Ehemaligen unserer Schule ganz unvoreingenommen zu ihren neuen Wegen befragte und zu Diskussionen anregte.

So ein lebendiges Gespräch im Nachhinein in einem Artikel auf ein paar Worte zu reduzieren, ist wahrlich nicht einfach, und keinesfalls kann dieser Beitrag die angenehme Stimmung im Saal wiedergeben.
Für alle, die nicht anwesend sein konnten, versuche ich trotzdem, die wichtigsten inhaltlichen Punkte darzustellen.

In erster Linie stellte ich fest, dass die Wahrnehmungen, Meinungen und Haltungen der Jugendlichen recht unterschiedlich waren, was die Veranstaltung sehr interessant machte.

Aber gleich vorneweg: alle anwesenden Ehemaligen haben den Übergang in ihre ganz verschiedenen weiterführenden Berufs- und Bildungseinrichtungen problemlos gemeistert.

So besuchen 3 der 8 Jugendlichen weiterführende Bildungseinrichtungen, an denen ein individualisiertes und wertschätzendes Lernen stattfindet, wie sie es von der Montessori-Schule gewohnt sind, und an denen sie innerhalb von 3 Jahren ihr Abitur machen möchten.

Eine Jugendliche besucht ein OSZ, wo sie neben einer Berufsausbildung ebenfalls in 3 Jahren zum Abitur gelangen möchte.

4 der anwesenden Ehemaligen sind in Ausbildungsberufen nach ihren Wünschen untergekommen, teilweise auch mit der Möglichkeit, ein Fachabitur zu erwerben.

Natürlich wollte das Publikum wissen, ob unsere Ehemaligen in der Montessori-Schule mit genug Wissen ausgestattet wurden.
In diesem Punkt hatte keiner der Anwesenden das Gefühl, seinen jetzigen Mitlernenden unterlegen zu sein. Natürlich gäbe es in einigen Fächern auch Wissenslücken, in anderen dafür wiederum einen Wissensvorsprung.
Das selbständige Nachholen von fehlendem Stoff sei jedoch für die meisten kein Problem.
Je nach Ehrgeiz hätten die Lernenden besonders zu Beginn des Schuljahrs dafür auch bereitwillig etwas Freizeit am Nachmittag geopfert.

Während des Gesprächs gab es einige Themen, die zu Diskussionen unter den Ehemaligen führten, da die Ansichten darüber sehr verschieden waren.
Zum Einen ging es hierbei um das Bewertungsystem bzw. Kompetenzraster an der Montessori-Schule. Während einige Jugendliche diese Art der Dokumentation ihrer Lernerfolge für sehr sinnvoll hielten, gab es von anderen den Einwand, dieses sei zu ungenau, subjektiv und sogar verhandelbar.

Weiterhin wurde deutlich, dass je nach Charaktertyp die Meinungen über das „freie Lernen“ sehr auseinander gingen. So waren es insbesondere männliche Jugendliche (nicht alle), die sich zumindest in der Sekundarstufe I mehr Grenzen und sogar Konsequenzen bei Überschreitung dieser gewünscht hätten.
Ein Jugendlicher berichtete sogar, dass ihm der Frontalunterricht in der Berufsschule jetzt besser gefiele, nachdem er 9 Jahre lang selbstorganisiert an der Montessori-Schule gelernt hatte.
Andere hingegen wussten das freie Lernen nach Maria Montessori sehr zu schätzen. Sie waren der Meinung, dass das Lernen nach eigenem „Bauplan“ und die Wertschätzung von Lernerfolgen jenseits einer perfekten Rechtschreibung ihrem Selbstwertgefühl und der Herangehensweise an neue Herausforderungen sehr gut getan hätten.

Die Jugendlichen, die sich jetzt in Berufsausbildungen befinden erwähnten ferner, dass das Ritual der täglichen Dokumentation von Lernergebnissen und -erfolgen in Lerntagebüchern und Wochenplanern eine sehr gute Vorbereitung auf die Führung der sogenannten „Berichtshefte“ gewesen sei. In diesem Punkt seien sie anderen Berufsschülern gegenüber sehr im Vorteil.

Einig waren sich alle darüber, dass die Montessori-Schule den Lernenden immer wieder Möglichkeiten geboten hatte, ihre Begabungen und Interessen herauszufinden – indem z.B. während der Schulzeit mehr Betriebspraktika absolviert werden konnten, als an den meisten anderen Schulen, aber auch, indem Interessen aufgrund der besonderen Schulform und der Schulangebote verstärkt gefördert werden konnten.
Auch die von der Schule organisierte Teilnahme an der Berufsbildungsmesse Vocatium – inklusive der intensiven Vorbereitung darauf – hatte bei einigen einen positiven Einfluss auf die Berufsfindung und einer anschließenden erfolgreichen Bewerbung gehabt.

Da ich immer wieder feststellen muss, dass es sehr viele Menschen gibt, die entweder komplett orientierungslos durchs Leben wandeln oder ihr Leben in Berufen „abarbeiten“, die nicht zu ihnen passen, hat es mich persönlich sehr gefreut zu hören, dass alle Jugendlichen auf dem Podium mit ihren eingeschlagenen Wegen derzeit glücklich zu sein scheinen, da sie sie auch selbst gewählt haben.
Mit Sicherheit werden sich die Wege und Ziele einiger Jugendlichen im Laufe des Lebens ändern. Es kam aber deutlich herüber, dass alle Anwesenden ein großes Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten besitzen.

Teilweise war ich von den Gesprächen auf dem Podium – was sich übrigens wieder auf Augenhöhe des Publikums befand – so gerührt, dass ich vergessen habe, mir Notizen zu machen.
Wenn jemand etwas ergänzen möchte oder zu einigen Punkten eine andere Wahrnehmung hatte, würde ich mich freuen, davon in der Kommentarbox unter diesem Beitrag zu lesen.

Jenny


Weiterführende Schulen (Sek.II), die im Podiumsgespräch genannt wurden:



1 Kommentar

Alexandra Eßling · 25. Juni 2018 um 17:35

Zu: Eindrücke vom 2. Podiumsgespräch…
Ich bin an dem Tag leider zu spät gekommen und habe jetzt endlich Zeit zum Lesen des Beitrags gefunden. Tausend Dank für die Mühe! Es war ein Vergnügen deine Worte zu lesen!
Viele Grüße
Alexandra

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