Seit fast 5 Jahren habe ich Kinder an der Montessori-Schule. Obwohl ich davon 2 Jahre als Elternvertreterin recht aktiv war, habe ich den Schulkonferenzen an der Schule bisher einfach keine Priorität eingeräumt – mit anderen Worten: ich habe mich stets davor gedrückt.
Ich weiß nicht, ob es an dem Wort „Schul-Konferenz“ an sich oder an meiner persönlichen traumatischen Erfahrung liegt, die ich vor 9 Jahren als Elternvertreterin an einer staatlichen Schule bei einer Schulkonferenz machen musste. An den Inhalt dieser damaligen Konferenz kann ich mich kein bisschen erinnern, wohl aber daran, dass ich die ganze Zeit versuchte, mein Gähnen zu unterdrücken, um nicht unhöflich zu wirken, während irgendwelche langweiligen und irrelevanten Statistiken vorgelesen wurden. Ich ärgerte mich damals über diese Lebenszeitverschwendung.
Und hätte ich dieses Mal keine persönliche Einladung von der Schulleitung bekommen, mit der Frage, ob ich als Teil der Kommunikations-AG auf der Konferenz präsent sein könne – ich hätte mit Sicherheit eine Möglichkeit gefunden, diesen Abend mit anderen Dingen zu füllen.
Und ich hätte viel verpasst! Und vermutlich nicht annähernd so viel gelacht.

Jedes Lachen fügt dem Leben ein paar Tage hinzu.
Der Besuch der Schulkonferenz hatte für alle Anwesenden also eine lebensverlängernde Wirkung. Na, wenn das nichts ist!
Natürlich hätte ich es mir denken müssen:
An besonderen Schulen sind Schulkonferenzen natürlich besonders! Und keineswegs langweilig, einschläfernd und Zeitverschwendung!
Die Gäste, die sich aus Schulpersonal, Eltern- und SchülervertreterInnen sowie anderen interessierten und engagierten Eltern zusammensetzten, erwartete hier natürlich kein stundenlanges Stillsitzen und in-sich-hinein-gähnen-müssen!
Die Veranstaltung gliederte sich in 2 Teile.
Nach der Eröffnung der Konferenz durch Schulleiterin Hendrikje, widmete sich der erste Teil der aktiven Mitgestaltung der Schule durch das Leisten von Elternmithilfestunden. Die AGs Atelier, Feste, Bibliothek, Hofgestaltung, Ernährung, Elternncafé und Kommunikation präsentierten sich in einer Marktplatz ähnlichen Atmosphäre an eigenen Info-Ständen.
Dabei konnten alle Anwesenden bei Pellkartoffeln mit Quark vom Stand der AG Feste und/oder bei einer Tasse Kaffee und Plätzchen vom Stand des Elterncafés untereinander ins Plaudern kommen und sich über die Arbeit der AGs informieren. Einige AGs sind an diesem Abend zu neuen kompetenten und engagierten Mitmachenden gekommen. Eltern, die sich vorher nicht oder nur flüchtig kannten, kamen sich näher.

Am Marktstand der AG Elterncafé gab es leckeren Kaffee aus frisch gemahlenen Bohnen – zubereitet von AG-Leiterin und Barista Christin
Im 2. Teil ging es um das Thema „Elternseminare“.
Um den Eltern Möglichkeiten zu geben, zu erfahren, warum bestimmte Formen des Lernens, die die meisten von uns Eltern nie erleben durften, bei unseren Kindern zu nachhaltigen Lernerfolgen führen, bietet unsere Schule mehrmals im Jahr hochwertige Elternseminare und Workshops an. Dabei wird modernes und wissenschaftlich belegtes Wissen mit jahrzehntelangen Beobachtungen sowie den jüngsten Erfahrungen, die an unserer Schule selbst gesammelt werden, miteinander verknüpft und möglichst praktisch und kurzweilig demonstriert.
Leider hat die Beteiligung an diesen Veranstaltungen in letzter Zeit sehr nachgelassen.
Das Schulpersonal hatte sich dazu bereits Gedanken gemacht und zeigte Verständnis dafür, dass derartige Veranstaltungen, die in der Regel am Abend statt finden, für die meisten von uns Eltern ein großer zeitlicher und organisatorischer Aufwand seien.
Diskutiert wurde deshalb der Vorschlag der Schulleitung, den Besuch der Elternseminare mit einer Gutschrift von Elternmithilfe-Stunden zu honorieren.
Während sich einige Pro- und Kontra-Argumente an der Tafel sammelten, entstanden in einer offenen und respektvollen Diskussion viele weitere Ideen, um die Motivation zur Teilnahme an den Elternseminaren zu erhöhen.
Ein endgültiges Ergebnis gab es an diesem Abend zu diesem Thema nicht.
Hierüber sollen demnächst möglichst viele Eltern per Doodle abstimmen.
Fazit:
Es ist schön und macht Spaß, die Schulzeit unserer Kinder aktiv mitzugestalten.
Sinnvoll durchgeführte Schulkonferenzen bewegen etwas in der Welt und können gleichzeitig unterhaltsam und kommunikativ sein.
Für mich entstand der Eindruck, alle Anwesenden rückten an diesem Abend in der ungezwungenen Stimmung ein wenig zusammen – bestehende Distanzen wurden wieder einmal überwunden.
Ich hoffe, mit diesem Beitrag allen Nichtanwesenden einen kleinen Eindruck von der Veranstaltung vermittelt und vielleicht den einen oder anderen davon überzeugt zu haben, dass eine Schulkonferenz an der Schule unserer Kinder sehr lohnenswert ist.
Herzlichst,
Jenny Shead




2 Kommentare
Jörg · 17. November 2019 um 20:56
Lieben Dank für die Schilderung
Katrin Paul · 22. Januar 2018 um 16:23
vielen Dank für die lebendigen und informativen Artikel!
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